WAZ Artikel

Duisburg.   Plakat- und Unterschriftenkampagne gegen die weitere Bebauung der Mercatorinsel. Mit der Aussicht auf die Rheinorange wäre es dann vorbei.

„Wenn Menschen mit Weitsicht entscheiden“, steht auf dem Plakat, und der geneigte Betrachter blickt auf eine aufragende Betonwand. Beim Hafenfest haben Dirk Lechtenberg vom Runden Tisch Ruhrort und Wolfgang van Ackeren von der Kulturwerft Unterschriften gegen die geplante zweite Halle auf der Mercatorinsel gesammelt. „Innerhalb von ein paar Stunden sind mehr als 1000 Unterschriften zusammengekommen. Die meisten Leute können sich nicht vorstellen, dass sie künftig vor eine Wand gucken sollen.“ Ganz zu schweigen von der Aussicht auf die Rheinorange, die dadurch auch verbaut wäre. Dabei sei Ruhrort ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste, die von außerhalb kommen und das Flair in dem Stadtteil an Rhein und Ruhr schätzen. Mit Unterstützung der anderen Ruhrorter und Duisburger wollen die beiden einen Einwohnerantrag einreichen – oder gar ein Bürgerbegehren starten. Vor der Oberbürgermeisterwahl am 24. September soll noch eine Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der Stadt stattfinden.

Dirk Lechtenberg schaut aus dem Fenster seines Büros. Regelmäßig dreht das Ausflugsschiff „Rheinfels“ seine Runde. Der Tourismus habe Ruhrort in den vergangenen Jahren belebt. Wolfgang van Ackeren, der sich für das Kreativquartier im Lokal Harmonie engagiert, erklärt: „Uns wird von Kulturinstituten immer wieder gesagt, dass wir die Aufenthaltsqualität von Ruhrort steigern sollen. Wo kann man denn hier hingehen, außer vielleicht in den Anker, zum Kultkiosk oder in den Hübi?“ Er fragt: „Warum wurde eigentlich der Masterplan Ruhrort seinerzeit aufgelegt?“ Demnach solle der Stadtteil zu einem „lebenswerten Wohnquartier“ entwickelt werden, in dem es „attraktive Freiheit- und Kulturangebote“ gibt, aber auch neue Arbeitswelten am Wasser entstehen.

Stadt verweist auf Masterplan

Die Stadt erklärt dazu: „Bei der Mercatorinsel handelt es sich um Hafenfläche. Die Logistiknutzung wurde auch im Masterplan vorgesehen auf Grund der guten verkehrlichen Anbindung an das Straßennetz, an Wasserstraßen und an das Schienennetz. Derart verfügbare und verkehrsgünstig gelegene Flächen sind für die vorgesehene Nutzung anderorts nicht vorhanden.“ Dabei befürchten die Ruhrorter auch eine Zunahme des Lkw-Verkehrs in dem Stadtteil. Die Stadt entgegnet: Die Entwicklung sei ganz im Sinne des Masterplan Ruhrorts aus dem Jahr 2009 – der Standort liege in unmittelbarer Nähe bestehender Container-Umschlaganlagen. Der trimodale Umschlag, Straße, Schiene, Schiff sei gegeben.

Immerhin sei eine Grünfläche an der Nordseite der Mercatorinsel geplant. Die darf übrigens nicht bebaut werden – sie gilt als Überschwemmungsgebiet.

>>REGELUNG DER GEMEINDEORDNUNG

Für ein Bürgerbegehren liegt das Quorum bei knapp 11 000 Stimmen, bei einem Einwohnerantrag bei 8 000 Stimmen.

Auf Nachfrage der WAZ teilt die Stadt allerdings mit: „Gemäß Paragraf 26 Abs. 5 Nr. 5 Gemeindeordnung NRW ist ein Bürgerbegehren über die Aufstellung und die Aufhebung von Bauleitplänen mit Ausnahme der Entscheidung über die Einleitung des Bauleitplanverfahrens unzulässig.

Es gebe allerdings noch einen zweiten Grund, der ein Bürgerbegehren ausschließe, heißt es von der Stadt: „Gemäß § 26 Abs. 3 S. 1 GO NRW muss ein Bürgerbegehren gegen einen Beschluss des Rates, der der Bekanntmachung bedarf, innerhalb von sechs Wochen nach der Bekanntmachung eingereicht sein. Der Beschluss des Rates vom 1. Februar 2010 ist am 28. Februar im Amtsblatt der Stadt Duisburg bekannt gemacht worden. Die Einreichungsfrist für ein Bürgerbegehren endete am 11. April 2017. Heute ist ein Bürgerbegehren

Keine Halle 2

Fataler Fehler in der Stadtentwicklung Duisburgs

In der kurzfristig anberaumten Ratssitzung vom 01.02.2017 wurde der Bebauungsplan für die Mercatorinsel aufgehoben.

Der Bebauungsplan aus dem Jahre 2008 sah die „ansprechende Gestaltung der Grünflächen vor. Die ehemalige Speditionsinsel liegt vis-à-vis vom historischen Ruhrort und von der Schifferbörse am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr. Die Halbinsel, vor fünfzehn Jahren noch Umschlagplatz für Kohle, Eisenerz und Schrott, ist heute eine Brachfläche, die im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs zu einem neuen städtischen Kultur- und Freizeitareal umgestaltet werden soll.

Dieser Wettbewerb fand im Jahre 2009 statt und wurde von dem Berliner Büro der Landschaftsarchitekten Barbara Hutter und Stefan Reimann gewonnen. Leider fehlte es an den notwendigen finanziellen Mitteln, um diese Pläne umzusetzen. Gleichwohl zeigte der internationale Wettbewerb jedoch die Bedeutsamkeit der Mercatorinsel als landschafts- und stadtbildprägendes Element nicht nur für Ruhrort, sondern die gesamte Stadt Duisburg.

Die Duisburger Hafen AG- Duisport, die sich im Besitz der Stadt Duisburg als auch des Landes NRW befindet, hat in den letzten Jahren großartiges zur Weiterentwicklung des Duisburger und Ruhrorter Hafens geleistet. Viele neue Arbeitsplätze sind durch die Aktivitäten der Duisport geschaffen worden. Auch plant die Duisport AG nun die Errichtung eines Logistikzentrums (Halle 1) am Ende der Speditionsinsel und Übergang zur Mercatorinsel, die durch die DB Schencker AG angemietet wird und für die Konfektionierung von KFZ-Teilen der Daimler AG genutzt werden soll. Diese Planung und einhergehende Schaffung von Arbeitsplätzen begrüßen wir ausdrücklich.

Leider soll nun auch der weitergehende Bereich auf der Mercatorinsel für den Bau einer großen Logistikhalle (Halle 2) genutzt werden. Im nachfolgenden Bild ist diese Halle im Vordergrund zu sehen.

Mit dieser Halle, die eine Höhe von 12- 14 m haben wird und mit einer Länge von über 200m, wird das gesamte, z.Tl. denkmalgeschützte Ortserscheinungsbild von Duisburg-Ruhrort zerstört.

Die WAZ schreibt dazu in ihrer Veröffentlichung vom 11.05.2017 wie folgt:

„Jede Stadt, die Rheinanlieger ist – von Emmerich bis Basel – , ist bemüht, ihre Rheinfront so attraktiv wie möglich zu gestalten. Und was tut Duisburg? Die geplante Industrieansiedlung auf der Mercatorinsel in Ruhrort wäre für die Ruhrorter sowie für die gesamte Duisburger Rheinfront eine städtebauliche Katastrophe. Durch die Errichtung von zwölf Meter hohen Hallen würde das attraktive Ruhrorter Rheinpanorama fast völlig verdeckt. Da Duisburg wenig schöne Flächen dieser Art zur öffentlichen Nutzung am Wasser hat, wäre dies eine nicht wiedergutzumachende Fehlplanung. Für die Homberger Bürger würde der schöne Blick zur Ruhrorter Rheinseite verschandelt. Der Anblick dieser Rheinfront ist auch bei Dunkelheit wunderschön und wird immer wieder auch von Gästen lobend erwähnt und von Radfahrern fotografiert. Von Ruhrort aus wäre der Blick nach Süden auf die Schifffahrt oberhalb nicht mehr möglich und die Rheinorange würde völlig verdeckt. Die Nutzer des beliebten Ruhrtalradweges würden dann auf eine Industriehalle anstatt auf die touristisch attraktive Rheinfront blicken. Selbst für die Passagiere der stark wachsenden Flusskreuzfahrtschiffe, die Ruhrort passieren und auch dort anlegen, wäre ein Besuch der Rheinfront nicht mehr so einladend. Es wäre sinnvoller auf der Mercatorinsel eine für alle Bürger zugängliche ansprechende Freifläche zu schaffen, so wie es der Masterplan für 2008 vorsah.“

Steigende Besucherzahlen in Duisburg- gerade hier in Ruhrort an der Ruhrmündung in den Rhein, zeigen das große städtebauliche Potential, welches dieser Stadtteil bietet. So haben bereits tausende Besucher an den bekannten „Schimitouren“ hier in Ruhrort teilgenommen. Auch der zunehmende Anlauf durch Flusskreuzfahrtschiffe zeigt die Attraktivität des Hafenstadtteils Ruhrort.

Der zunehmende LKW Verkehr führt schon jetzt zu einer katastrophalen Überlastung des Ruhrorter Brückenzuges und Anbindungsstraßen und zu einer nicht hinnehmbaren Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden.

Die Verkehrsüberlastung wird durch den Neubau einer zusätzlichen Halle diese Situation weiter verschärfen. In Stoßzeiten sind schon jetzt Stauzeiten von bis zu einer Stunde vom Stadtzentrum Duisburg über Kasslerfeld bis nach Ruhrort vorhanden.

Wie Sie vielleicht wissen, wird das Regierungspräsidium Düsseldorf die Emissionsbelastung speziell in den Häfen Duisburg und Neuss im Rahmen einer jetzt durchzuführenden Langzeituntersuchung bewerten.

Argumente, das keine weitere Verkehrsbelastung durch den Neubau der Hallen entsteht, sind durch die Duisport AG in einem Logistikkonzept zu belegen. Wir gehen davon aus, dass die Verkehrsbelastung weiter zunehmen wird, da nicht davon auszugehen ist, dass die Transporte ausschließlich per Binnenschiff durchgeführt werden.